Handarbeit für Generationen

Kachelöfen bieten ein Höchstmaß an Individualität. Sie haben überaus positive Heizeigenschaften und sind zugleich prachtvolle Beispiele für eine Jahrhunderte alte Handwerkstradition – von der Keramik bis zum wärmenden Interieur-Objekt.

Wohl kaum ein Einrichtungsgegenstand ist so langlebig und prägend für die Innenarchitektur wie das Heizmöbel namens Kachelofen. Oft hält er genau so lange wie das ihn umgebende Haus – entsprechend sorgfältig sollte er gestaltet und gefertigt werden. Ein besonderes Augenmerk hat dabei der „Mantel“ verdient, mit dem die Feuerstätte eingekleidet wird, die Ofenkacheln nämlich. Sie sind mehr als nur eine schöne Fassade. Als Wärme speicherndes Medium stellen sie zugleich ein wesentliches Funktionselement dar.

Verschiedene Wege führen zur Ofenkachel

Die schönsten Ofenkacheln entstehen nach wie vor in einem aufwändigen Manufakturprozess. Dieser verlangt sehr viel Berufserfahrung, ausgeprägtes handwerkliches Geschick und große Liebe zur Präzision. Handgefertigte Keramik ist neben besonders ausgefallenen Ofenentwürfen auch für die Sanierung historischer Öfen unerlässlich. Natürlich gibt es industriell hergestellte Kacheln für Typenöfen aus dem Katalog, aber selbst bei denen wird der gesamte Produktionsprozess von erfahrenen Keramikern begleitet, und auch da gibt es ein hohes Maß an Handarbeit.

Hohes Maß an Handarbeit

Die Entwürfe für individuell gefertigte Kachelöfen stammen meist von Architekten, Künstlern, oder den Hafnern. Oft treten auch die Hausbesitzer selbst mit ihrem Wunschentwurf direkt an einen Keramikbetrieb heran. Nach den ersten Handskizzen erfolgt die weitere Kachelofenplanung heutzutage meist mit branchenspezifischen CAD-Programmen. Damit lassen sich nicht nur unterschiedliche kachelofenformen gestalten, sondern auch die gesamte Technik planen. Ab hier ist alles handwerkliche Arbeit, die sich aufteilen lässt in die Herstellung der Keramik selbst und den eigentlichen Ofen-Aufbau.

Keramik-Herstellung und Ofen-Aufbau

Bei der Keramikproduktion sind fünf verschiedene Verfahren verbreitet. Die Presstechnik für flache Kacheln; die Gießtechnik, die überwiegend bei Kacheln und Gesimsen angewendet wird; außerdem die Drehtechnik zur Herstellung von Schüsselkacheln sowie die Überschlagtechnik. Bei Letzterer wird der ganze Ofen über einem Steggerüst in einem Stück in weichem Ton aufgebaut, der anschließend vor dem Brand wieder in einzelne kacheln zerschnitten wird. Und schließlich gibt es noch die völlig frei von Hand geformten Motive.

Glasuren gehütet wie Coca-Cola Rezept

Die Ofenkacheln werden vorwiegend aus drei Materialien hergestellt: Aus Ton, Schamotte und mineralischen Zuschlagstoffen. Nach einem Trocknungsvorgang werden die Ofenkacheln bei Temperaturen um die 1000 Grad gebrannt. Eine hohe Kunst ist die Glasurherstellung, die den letzten Arbeitsgang der Kachelproduktion darstellt. Hauptbestandteile sind hier Quarz (als Glasbildner), Ton/Kaolin (zur besseren Verarbeitbarkeit) sowie Flussmittel. Mit Metalloxiden wird die Glasurfarbe bestimmt. Die Zusammensetzung hüten Keramiker wie das Coca-Cola Rezept: Kupfer für Grün, Kobalt für Blau, Eisen für Gelb und Mangan für Braun. Die Glasuren werden in einem zweiten Brenngang mit der Keramik verbunden. Vor der Auslieferung werden die Kacheln beim Keramikhersteller nochmals ausgelegt, um Farbtreue und Vollständigkeit der Lieferung zu überprüfen.

Ofen-Aufbau als Krönung

Schließlich wird der Ofen beim Kunden aufgebaut. Unter der keramischen Hülle, die die Wärme speichert, werden je nach Ofenbauart ein Heizeinsatz, ein keramisches Zugsystem, wahlweise Luftgitter und Luftführungen in andere Räume, oder eine angewärmte Ofenbank errichtet. Das Zugsystem stell eine ausgeklügelte Verbindung zwischen dem Feuerraum und dem Schornstein dar. Es hat die Aufgabe, den Abgasen noch möglichst viel Nutzwärme zu entziehen und diese zu speichern, bevor sie durch den Rauchfang ins Freie entweichen.

Schnelles Genussfeuer nach Feierabend

Die gespeicherte Energie kann der Kachelofen dann über viele Stunden ganz allmählich als angenehme und gesunde Strahlungswärme wieder abgeben. Bis die Wärme spürbar wird, dauert es jedoch ein Weilchen, daher ist ein reiner Kachelgrundofen nicht für jedermann geeignet: Mit einem Kombiofen, der über eine Sichtscheibe oder Lüftungskanäle schnelle Wärme bereitstellt und diese gleichzeitig speichert, werden auch Berufstätige glücklich, die sich nach Feierabend ein schnelles „Genussfeuer“ mit rascher Wärmelieferung wünschen!

Fotos: c Robert Maybach

Kachelofenbau