Hafner brauchen goldene Hände und kluge Köpfe

Sie sind geradezu der Inbegriff für Behaglichkeit. Das jedenfalls sagen 83 Prozent aller Österreicher über den Kachelofen. Nicht nur heute. Es gibt ihn ja schon seit hunderten von Jahren. Das Erfolgsgeheimnis des Kachelofens liegt in der formvollendeten Mischung aus Handwerkskunst, naturnahen Baumaterialien und dem Wechselspiel aus Wärmespeicherung und der gesunden Strahlung, die von den Kacheln in den Raum geschickt werden.

So entsteht Wohlgefühl. Dazu gesellt sich die Optik. Jeder Kachelofen ist ein Unikat. Er entsteht aus einer Quersumme, die der Hafner aus den Vorstellungen der künftigen Besitzer, aus den wärmetechnischen Notwendigkeiten, aus den räumlichen Vorgaben und den gesetzlichen Bestimmungen für Heizgeräte zieht.

Das muss man erst einmal drauf haben. Denn die vielen Komponenten wollen unter einen Hut gebracht werden. Das ist der Unterschied zwischen dem Hafner und den meisten anderen Handwerkern, die auch alle mit Geschick und Know- how ihre Werkstücke herstellen. Die „goldenen Hände“ alleine reichen beim Hafner aber nicht. Deshalb stellt die Ausbildung in diesem Beruf eine Herausforderung dar.

Eine Lehrzeit ohne Leerlauf

„Schon im ersten Lehrjahr haben wir mit technischen Zeichnungen begonnen“ erzählt Matthias Loley, der heute als Geselle einer der besten Mitarbeiter von Hafnermeister Günther Wittek in Mistelbach ist. Der zeichnet sich allerdings durch ein besonders intensives Ausbildungskonzept aus. Zwar steht auch bei Wittek die Material- und Werkzeugkunde als wichtiges Element der Grundausbildung im Mittelpunkt. Er hält aber auch monatliche Zusatzseminare ab, in denen die jungen Leute Intensivkurse in Physik, Mathematik und technischem Zeichnen erlernen. Das Erfolgsgeheimnis definiert Wittek so: „Wer eine genaue Zeichnung eines Ofens auf Millimeterpapier hingelegt hat, wird in der Praxis sein Heizgerät genau so präzise aufbauen“. Der Erfolg gibt ihm recht: In 22 Jahren selbständiger Berufsstätigkeit hat der niederösterreichische Hafnermeister 20 Burschen und Mädchen ausgebildet, von denen drei inzwischen schon die eigene Meisterprüfung abgelegt haben.

Insgesamt gilt für Auszubildende in der Branche, dass sie in ihrer Lehrzeit zwar mit Hilfstätigkeiten wie Werkzeug ordnen, Zuschneiden von Kacheln und Anrühren der Klebemasse beginnen. Schon im zweiten Lehrjahr arbeiten sie beim Aufbau von Kachelöfen mit und sind gegen Ende der Ausbildung in der Lage, die Heizgeräte zu planen und komplett zu setzen.

Alte Zunft und High Tech

Egal ob sich Kachelöfen im allseits bekannten Landhausstil präsentieren oder in modernen Design daherkommen: Man sieht ihnen nicht an, was da alles in ihnen steckt. Denn außer dem handwerklichen Geschick und den kreativen Ideen für Farben, Formen und Gestaltungselementen muss der Hafner mit Mess- , Steuerungs- und Regelsystemen umgehen können. Denn unter der kacheligen Oberfläche verbirgt sich heutzutage modernste Heiztechnologie, der es zu verdanken ist, dass der Kachelofen das umweltfreundlichste Heizgerät ist.

Das komplizierte Innenleben aus Brennraum, Belüftung und den sogenannten Zügen, die sowohl dem Abzug als auch der zusätzlichen Wärmegewinnung dienen, kann man nicht Pi mal Daumen berechnen. Da taucht gleich die nächste Herausforderung an die Qualifikation des Hafners auf: Er muss ausreichende IT-Kenntnisse haben, um mit Softwareanwendungen umgehen zu können.

Das gilt vor allem für das Berechnungsprogramm, mit dem ein Kachelofen, ein Kachelherd oder ein Heizkamin in allen Details dimensioniert werden muss. Damit werden nicht nur die materialtechnischen Vorgaben für den au des Heizgerätes ermittelt, sondern eine gesetzliche Vorschrift für die Zulassung erfüllt. Der Hintergrund dafür ist die Tatsache, dass jedes Hafnerprodukt ein Einzelstück ist. Es ist also nicht möglich, eine allgemeine Betriebsgenehmigung zu bekommen, indem man wie etwa bei einem Auto den Prototyp einer Serie technisch überprüfen lässt. Nun darf man aber kein Heizgerät betreiben, das keine Zulassung hat.

In Österreich kontrolliert das der Rauchfangkehrer. Wird nun zum Beispiel ein Kachelofen nach den Vorgaben des Berechnungsprogrammes gebaut, ist sichergestellt, dass er alle gesetzlichen Vorschriften hinsichtlich Wirkungsgrad und Emissionen erfüllt.
Heutzutage kommen Hafner also gar nicht darum herum, jeden Wärmespender in seiner Planungsphase durch den Computer zu jagen. Das muss er gründlich gelernt haben, denn die digitale Berechnungsarbeit erfordert rund 150 Eingaben und Klicks.

Der Hafner als Herr über das Chaos

Gähnende Leere – das ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Chaos. Die steht tatsächlich am Beginn der Anschaffung eines Kachelofens. Da es dieses Heizgerät eben nicht „von der Stange“ gibt, entsteht es erst einmal als Idee. Hafner und künftige Besitzer halten ein Brainstorming ab. Es entsteht eine Skizze und eine Auflistung von Gegebenheiten wie Raumgröße, Wärmebedarf, vorhandene Isolierung, statische Voraussetzungen und der Kriterien für die Belüftung, die man nun einmal braucht, wenn eine Flamme brennen soll.

Diese ursprüngliche Leere muss der Hafnermeister und mit künstlerischer Kreativität und technischem Wissen mit Leben erfüllen. Wenn das in der Planungsphase passiert ist, folgt nach dem theoretischen das praktische Chaos – diesmal in der geläufigeren Bedeutung der totalen Unordnung. Es entsteht nämlich eine Baustelle.

Viele Kachelofenbesitzer erinnern sich mit einem gewissen Schauern an diese rund 14 Tage, in denen ihr Ofen langsam Gestalt annahm. Jetzt ist die organisatorische und kaufmännische Seite des Hafners gefragt. Aufgrund seiner Berechnungen kennt er Anzahl und Umfang der benötigten Materialien und muss sie einkaufen und Sorge tragen, dass sie zusammen mit den ausführenden Kräften sozusagen „intime“ vor Ort sind.

Beispiel Kachelofen mit Umweltzeichen

Das war auch bei Sabine und Robert Zecha aus Velm-Götzendorf in Niederösterreich so. Die beiden sind ein gutes Beispiel für den Umfang der notwendigen Arbeiten, weil ihr neuer Kachelofen durch die Wand gebaut wurde. Heute können sie im Wohnzimmer das Flammenspiel genießen und brauchen keine Angst zu haben, dass ihnen beim Verlassen des Raumes kalt wird, denn ihr Heizgerät hat auch eine Abstrahlfläche im Flur. Bei der Einweihung ihres Kachelofens gab es ein Fest für Familie und Nachbarschaft, denn es war ein ganz besonderes Stück, das den Zechas von Hafnermeister Wittek in die gute Stube gestellt wurde.

Grund zum Feiern gab es besonders deshalb, weil der neue Ofen nicht nur ein Unikat war, wie jeder andere Kachelofen auch. Seine Inbetriebnahme war nämlich eine Weltpremiere: Der erste Repräsentant einer neuen Generation von Öfen, die nach den strengen Umweltschutzauflagen der Richtlinie UZ 37 gebaut und geprüft wurde und deshalb das Österreichische Umweltzeichen trägt. Das Kürzel UZ steht übrigens für Umweltzeichen und die Zahl 37 für Holzheizungen. Die Richtlinie schreibt zum Beispiel bei Emissionen wie Feinstaub oder Kohlenmonoxid Grenzwerte vor, die deutlich unter den gesetzlich vorgeschriebenen Werten liegen. Das war vor zwei Jahren. Seit Jänner 2015 gelten ähnlich niedrige Emissionswerte für alle Kachelöfen. Diese Regelung führte dazu, dass auch gestandene Hafner wie Günter Wittek noch einmal die Schulbank drücken mussten, um alle praktischen und theoretischen Details zu lernen, die durch die neuen Vorschriften zu berücksichtigen sind.

Nah am Universalgenie

Das Beispiel der Familie Zecha und ihres Ofens zeigt auch, dass sich Kachelöfen zu allen Zeiten an die jeweiligen Vorgaben der aktuellen Kunstrichtung und neuerdings eben auch an umweltrelevante Prinzipien gehalten hat und dies wohl auch weiterhin tun wird. Wer also heute den Beruf des Hafners ergreift, braucht schon einmal von vorn herein ein hohes Maß an Kreativität und gestalterische Fähigkeiten. Dazu kommt ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und handwerkliches Geschick. Dazu kommt die Bereitschaft zu geradezu lebenslangem Lernen. Hafner planen, bauen und warten Kachelöfen, Kachelherde, Heizkamine und offene Kamine sowie andere Feuerungsstätten wie Pizza-, Brotback- oder Grillöfen. Sie führen Wärmebedarfsberechnungen durch und erstellen sogar die heute bei Neubauten und Hausverkäufen zwingend vorgeschriebenen Energieausweise. Insgesamt kann man Günter Wittek nur zustimmen, wenn er über seinen Beruf zusammenfassen sagt: „Es ist ein seltener Beruf. Den hat nicht jeder, das macht nicht jeder und das kann auch nicht jeder. Ganz wichtig ist die Bedeutung für die Umwelt. Es gibt derzeit kein Heizgerät, das umweltfreundlicher ist, als der Kachelofen“.

Hafnerhandwerk